Die digitale Versorgung verbessern

Zukunft und Technologie

Ziel von Digital Health ist die Verbesserung der persönlichen Gesundheit unter der gesamtgesellschaftlichen Gesundheitsvorsorge mithilfe digitaler Technologien. Deutschland hängt aber in der Forschung und auch in der Umsetzung von marktreifen Produkten deutlich hinterher. Dies soll sich durch eine deutsch-amerikanische Forschungskooperation ändern.
 
Präventive Gesundheitsversorgung gewinnt an Bedeutung
Austausch und Verfügbarkeit von medizinischen Daten, Diagnose, Behandlung oder Überwachung – digitale Hilfsmittel können in vielen Bereichen das Gesundheitswesen nachhaltig verbessern. Digital Health ist die interdisziplinäre Verbindung von Gesundheit, Gesundheitsfürsorge, Leben und Gesellschaft. Gemeint sind der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien, Hardware- wie auch Softwarelösungen, Telemedizin, webbasierten Diagnosen, tragbaren Geräten und Sensoren zur Fernüberwachung sowie die Entwicklung vernetzter Gesundheitssysteme.
 
Deutschland ist in der Forschung und Entwicklung weit hintendran. Wie weit zurück, erklärte Professor Erwin Böttinger, Leiter des Digital Health Centers am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, in der Ausgabe 06/2019 dieses Newsletters: „Wir reden hier über Schritte, die anderswo längst implementiert sind. Wir beschäftigen uns derzeit mit der Digitalisierung der Prozesse in der klinischen Versorgung und wie diese Daten vernetzt werden. Das ist gut, aber das bringt uns nicht in die Zukunft, sondern ist allerbestens ein erster Schritt, um anschlussfähig zu werden.“
 
Kooperation an der Spitze
 
Damit es viele Schritte weitergeht, gründet das Hasso-Plattner-Institut (HPI) mit der renommierten New Yorker Universitätsklinik Mount Sinai ein neues Digital-Health-Forschungsinstitut: das Hasso Plattner Institute for Digital Health at Mount Sinai (HPIMS). „Die Zusammenarbeit vereint zwei international renommierte Institutionen, deren Ausbildungs- und Forschungsprogramme sich hervorragend ergänzen“, sagt HPI-Direktor Professor Christoph Meinel. „Außerdem schafft der Vertrag optimale Voraussetzungen für neue gemeinsame Forschungsprojekte im Bereich der digitalen Medizin.“
 
Ziel des Instituts ist es, die Forschung im Bereich der digitalen Medizin weiter auszubauen und die Entwicklung von Digital-Health-Anwendungen voranzutreiben. Die Echtzeitanalyse von Gesundheitsdaten und künstliche Intelligenz sollen Patienten früher über mögliche Gesundheitsrisiken aufklären und geeignete vorbeugende Maßnahmen ermöglichen. Das Institut wird gemeinsam von HPI-Professor und Leiter des HPI Digital Health Centers, Erwin Böttinger, und Joel Dudley, Director for Mount Sinai’s Institute for Next Generation Healthcare, geleitet. Die Hasso-Plattner-Stiftung stellt in den nächsten fünf Jahren 15 Millionen US-Dollar für das HPIMS bereit.
 
Wissen und Kompetenzen bündeln
 
„Wir wissen, dass wir mit künstlicher Intelligenz und der Echtzeitanalyse von umfassenden Gesundheitsdaten aus elektronischen Patientenakten, Sensortechnologien und Genomanalysen Leben retten, Krankheiten verhindern und die Gesundheit unserer Mitmenschen verbessern können. Mit dem zukunftsweisenden HPI-Mount-Sinai-Digital-Health-Projekt werden das Mount Sinai Health System und das Hasso-Plattner-Institut gemeinsam bahnbrechende digitale Gesundheitsdienste mit Bürgerinnen und Bürgern im Mittelpunkt schaffen“, so Erwin Böttinger. „Mit der Kooperation werden wir am Mount Sinai eine neue Digital-Health-Ära einleiten, die den Bereich der Präzisionsmedizin vorantreibt“, sagt Dennis S. Charney, President for Academic Affairs, Mount Sinai Health System.
 
„Wenn wir unser Fachwissen und unsere Expertise zusammenführen, sind Mount Sinai und HPI in der Lage, Lösungen zu finden, die das Gesundheitswesen und die Wissenschaft revolutionieren und die Gesundheit auf nationaler und globaler Ebene verbessern. Die Forscher der Icahn School of Medicine am Mount Sinai und des Hasso-Plattner-Instituts haben bahnbrechende Arbeiten in den Bereichen Genomdiagnostik, Präzisionsmedizin, digitale Gesundheit, biomedizinische Datenwissenschaft, künstliche Intelligenz und Informationstechnologie veröffentlicht“, so Joel Dudley. „Im neuen Digital-Health-Institut können wir unsere Expertise bündeln und in einem der größten und sozial und wirtschaftlich vielfältigsten Gesundheitssysteme des Landes umfassend einsetzen. Wir sind überzeugt, dass das HPIMS bei der Umsetzung der Versprechen der digitalen Medizin eine Vorreiterposition einnehmen wird.“
 
Exzellente Forschung
Das Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam ist Deutschlands universitäres Exzellenz-Zentrum für Digital Engineering. Mit dem Bachelorstudiengang „IT-Systems Engineering“ bietet die gemeinsame Digital-Engineering-Fakultät des HPI und der Universität Potsdam ein deutschlandweit einmaliges und besonders praxisnahes ingenieurwissenschaftliches Informatikstudium an. In den drei Masterstudiengängen „IT-Systems Engineering“, „Digital Health“ und „Data Engineering“ können darauf aufbauend eigene Forschungsschwerpunkte gesetzt werden.
 
Bei den CHE-Hochschulrankings belegt das HPI stets Spitzenplätze: die HPI School of Design Thinking, Europas erste Innovationsschule für Studenten nach dem Vorbild der Stanforder D.School. Derzeit sind am HPI 14 Professoren und über 50 weitere Gastprofessoren, Lehrbeauftragte und Dozenten tätig. Es betreibt exzellente universitäre Forschung – in seinen IT-Fachgebieten, aber auch in der HPI Research School für Doktoranden mit ihren Forschungsaußenstellen in Kapstadt, Haifa und Nanjing. Schwerpunkt der HPI-Lehre und -Forschung sind die Grundlagen und Anwendungen großer, hochkomplexer und vernetzter IT-Systeme. Hinzu kommt das Entwickeln und Erforschen nutzerorientierter Innovationen für alle Lebensbereiche.
 
Renommiert und integriert
Das Mount Sinai Health System ist der größte Anbieter einer integrierten Versorgung in New York City. Es umfasst acht Krankenhäuser, eine medizinische Hochschule und verfügt über ein großes Netzwerk ambulanter OP-Praxen, das sich über ganz New York erstreckt. Die Vision des Mount Sinai Health System ist es, landesweit die sicherste Pflege, höchste Qualität, höchste Zufriedenheit, den besten Zugang und das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis anzubieten. Zum Mount Sinai Health System zählen etwa 7.480 Haus- und Fachärzte, elf ambulante chirurgische Zentren, mehr als 410 ambulante OP-Praxen in den Bezirken New York City, Westchester, Long Island und Florida und 31 angeschlossene Community Health Centers. Die Icahn School of Medicine wurde mehrfach ausgezeichnet und belegt in führenden Rankings regelmäßig Spitzenplätze.